Jayson Georges[1] hat den Grundgedanken, dass es drei Arten von Reaktionen auf Verstöße gegen kulturelle Normen gibt: Angst, Scham und Schuld. Das heißt, es gibt drei allgemeine Arten von Kulturen: Schuld-Unschuld-Kulturen, Scham-Ehre-Kulturen und Angst-Macht-Kulturen. Hier entwickeln wir Werkzeuge für mündliche Denker, um diese allgemeinen Kulturtypen und insbesondere die Kultur Deiner Zielgruppe zu verstehen. Das bessere Verständnis wird Dir helfen, ein passendes Geschichten-Set für Deine Zielgruppe zu entwickeln. Weitere Informationen findest Du auf seiner Website https://honorshame.com. Ich empfehle auch den Kulturtest, einen kostenlosen Test zur Analyse des Publikums Ihrer Zielkultur: https://honorshame.com/theculturetest/, leider in Englisch.
Die folgenden Geschichten sollen Dir helfen das besser zu verstehen, sie sollen einfach mal illustrieren, wie das aussehen kann.
Beispielgeschichten Schuld-Unschuld-Kultur, Scham-Ehre-Kultur und Macht-Angst-Kultur
Die folgenden Geschichten hat Chat GPT erstellt, sollte ein Copyright verletzt worden sein, bitte melden und ich entferne es:
Schuld-Unschuld-Kultur:
Jonas Meier beginnt voller Zuversicht seinen neuen Job als Buchhalter in einem internationalen Maschinenbauunternehmen. Der Chef ist charismatisch, das Team freundlich, das Gehalt stimmt – endlich scheint er angekommen zu sein.
Doch schon in den ersten Wochen stößt er in alten Bilanzen auf Ungereimtheiten: Umsätze, die keinen Sinn ergeben, fehlende Schulden, manipulierte Zahlen. Als er einen Kollegen darauf anspricht, erhält er nur ein müdes Lächeln:
„Das weiß hier jeder. Der Chef sorgt dafür. Mach dir keinen Kopf – oder willst du gleich deine Karriere riskieren?“
Jonas ist schockiert. Die Bilanzen gehen an Banken, Investoren und das Finanzamt. Das ist Betrug – strafbar. Und als Buchhalter steht er mitten in der Verantwortung.
Tagelang ringt er mit sich. Schweigen hieße Mitwisserschaft, Lügen bei Prüfungen, Verrat an seinen Werten. Doch ein Hinweis an die Behörden könnte seine Zukunft ruinieren. Kündigung, Rufschaden, Ausgrenzung – all das wäre die Folge.
Soll er den Chef konfrontieren, auf ein Wunder hoffen? Oder anonym Anzeige erstatten und sofort verschwinden?
Während er die nächste fehlerhafte Zahl auf dem Bildschirm sieht, weiß Jonas nur eins: Die Zeit für eine Entscheidung läuft ab.
Ehre-Scham-Kultur:
Yusuf, 32, lebt im Nahen Osten. Er hat sich als Schreinermeister einen guten Namen erarbeitet. Nun erfüllt er sich seinen Traum: eine eigene Werkstatt. Mit Kredit, Maschinen und unermüdlichem Fleiß baut er auf, was er sich jahrelang erkämpft hat. Für ihn bedeutet es Freiheit, für seine Familie Stolz und wachsende Ehre.
Die Nachricht verbreitet sich schnell, Verwandte und Nachbarn gratulieren. Onkel Faruk ist besonders stolz – und schlägt mit fester Stimme vor, seinen Sohn Kemal einzustellen. „Das ist die Chance für ihn, und für dich eine Hilfe.“
Yusuf kennt Kemal: freundlich, aber unzuverlässig, oft verspätet, ohne echtes Talent. In seiner Werkstatt kann er sich keine Fehler leisten. Doch ein Nein würde als Brüskierung gelten. Faruk ist angesehen, sein Wort hat Gewicht. Eine Ablehnung würde bedeuten, dass Yusuf den Onkel öffentlich zurückweist – ein Angriff auf dessen Stolz, auf die ganze Familie. Schon jetzt spürt Yusuf die unausgesprochene Erwartung, die Blicke, das Gewicht der Tradition.
Wenn er nachgibt, gefährdet er seine Arbeit. Wenn er ablehnt, riskiert er mehr: verletzte Ehre, Gerüchte, ein Klima aus Misstrauen und stiller Feindseligkeit. Und er weiß, wie schnell sich in seiner Gemeinschaft leises Murren in offene Spaltung verwandeln kann.
Yusufs Traum droht zum Auslöser eines Familienstreits zu werden, der alles zerreißt.
Macht-Angst-Kultur:
Kwabena, 38, lebt in Ostafrika. Er hat sich als Bauhandwerker einen guten Ruf erarbeitet. Nun eröffnet sich ihm die Chance seines Lebens: Eine internationale NGO will in der Region eine Schule bauen – mit lokalem Personal. Kwabena ist als Bauleiter im Gespräch, mit Aussicht auf weitere große Projekte.
Doch das vorgesehene Grundstück liegt heikel. Für die Dorfbewohner ist es heiliger Boden, ein Ort, an dem einst Ahnenrituale stattfanden. Dort, so sagt man, ruhen die Geister der Vorfahren.
Ein angesehener Schamane warnt ihn mit eindringlicher Stimme: „Wenn du dort baust, werden die Ahnen dich strafen. Unglück wird über dein Haus kommen.“ Kwabena kennt Geschichten von Menschen, die nach ähnlichen Verstößen krank wurden oder alles verloren. Auch seine Familie mahnt ihn, die Geister nicht zu verärgern.
Doch ein Nein würde bedeuten: keine Schule für die Kinder, kein Auftrag, kein Aufstieg. Die NGO erwartet eine schnelle Entscheidung und hält wenig von Ritualen und Verzögerungen. Kwabenas Frau rät, ein Versöhnungsritual zu wagen – kostspielig, riskant, vielleicht aber die einzige Brücke.
Zwischen wirtschaftlichem Fortschritt und spiritueller Angst, zwischen der Anerkennung der Stadt und den Traditionen des Dorfes, steht Kwabena am Scheideweg – und weiß, dass jede Wahl Opfer fordert.
Angst, Scham, Schuld – Welche Geschichten aus der Heiligen Schrift?
Nachdem man sich überlegt hat, was die Zielkultur prägt, kommen hier Vorschläge für die jeweiligen Kulturen. Bedenke, der Regelfall ist eine Mischkultur, so kann auch eine Mischung aus verschiedenen Geschichten Sinn machen. Über Mischkulturen schreibe ich noch mehr in meinem nächsten Blog
Macht-Angst-Kultur
Ein Vorschlag eines türkischen Gläubigen:
a) um die Gute Nachricht weiterzusagen:
Josef—Genesis 37–50
Die Befreiung der Nachkommen Abrahams durch Mose Exodus 12,1-33 Deuteronomium 18,15
Gott bahnt einen Weg durch das Meer Exodus 14,1-31
Der Befreite Markus 5,1-20
Hinrichtung Jesu, Lukas 23:32-56
Auferstehung Jesu Lukas 24,1-7,36-47 Matthäus 28,19-20, Apostelgeschichte 1,8-11
b) für Gläubige
Der erste Ungehorsam gegen Gott Genesis 3:1-24
Josef—Genesis 37–50
Die Befreiung der Nachkommen Abrahams durch Mose Exodus 12,1-33 Deuteronomium 18,15
Gott bahnt einen Weg durch das Meer Exodus 14,1-31
Elia auf dem Karmel 1. Könige 18
Jesu Versuchung Lukas 4,1-13
Der Befreite Markus 5,1-20
Auferstehung Jesu Lukas 24,1-7,36-47 Matthäus 28,19-20, Apostelgeschichte 1,8-11
Ehre-Scham-Kultur
Erschaffung der Welt Gen 1-2
Der erste Ungehorsam gegen Gott Genesis 3:1-24
Rut
Hannas Kinderwunsch 1. Samuel 1+2,18-21
David und Mefi-Boschet 2. Samuel 9,1-13
Die Geschichte vom Großen Festmahl Lukas 14,15-24
Die Geschichte von den verlorenen Söhnen Lukas 15,11-32
Unschuld-Schuld-Kultur
Der erste Ungehorsam gegen Gott Genesis 3:1-24
Abraham Genesis 12,1-7; 15,1-6
Gott stellt Abraham auf die Probe Genesis 22,1-19
Die Befreiung der Nachkommen Abrahams durch Mose Exodus 12,1-33 Deuteronomium 18,15
Botschaft der Hoffnung Jesaja 52,13-53,12
Jesu Taufe Lukas 3,1-3, 10-22 Matthäus 3,7-9, 13-15, Johannes 1,29
Hinrichtung Jesu, Lukas 23:32-56
Auferstehung Jesu Lukas 24,1-7,36-47 Matthäus 28,19-20, Apostelgeschichte 1,8-11
In zukünftigen Blogbeiträgen werde ich auch immer wieder ein Geschichtenset vorstellen. Das ganze Material mit ausformulierten Geschichten findest Du in meinem Handbuch „Geschichten und Mündliche Bibeln“ unter diesem Link. Da mein Handbuch weiter wächst, kann ich nur die aktuelle Seite angeben, Seite 354f, bzw. 364, die sich aber ändern wird. Ansonsten im Inhaltsverzeichnis nachschauen unter „14.4 Angst, Scham, Schuld – Mit anderen Augen“ bzw. “ Angst, Scham, Schuld – Welche Geschichten aus der Heiligen Schrift?“
[1] Jayson Georges: „Mit anderen Augen Perspektiven des Evangeliums für Scham-, Schuld- und Angstkulturen“ Neufeldverlag 2022
In der Zusammenfassung seiner Doktorarbeit „Einfach und komplex zugleich: Konversionsprozesse und ihre Beurteilung“ hat Reinhold Strähler vier faszinierende Wege beschrieben, wie Muslime Jesus finden (Dissertation auf Englisch zum Herunterladen). Wenn man Geschichten wie in diesem Fall Muslimen weitersagt, dann hat man ja auch ein Ziel vor Augen. Deswegen halte ich es für wichtig sich zu überlegen, wie z.B. Muslime Jesus finden können und welche Geschichten dazu passen.
Ich habe hier mal die vier Wege zitiert.
1. Intellektueller Weg: Miriams Weg
Miriam standen als Tochter einer hochgebildeten und angesehenen Familie im Irak alle Wege offen. Ihre Laufbahn über ein Studium zu einer wissenschaftlichen Karriere war selbstverständlich, ebenso wie auch der Islam ganz selbstverständlich zu ihrem Leben gehörte und ihre Identität bestimmte. Während ihrer Schulzeit begann eine religiöse Kampagne, bei der der Islam stärker betont wurde und der gesamte Koran im Unterricht behandelt wurde. Ihre Familie hatte wenig Kontakt mit Christen. Als gebildete und weltoffene Familie hatten sie zwar eine arabische Bibel zu Hause, deren Sprache empfand Miriam aber als schwierig und den Inhalt unverständlich.
Als Miriam 24 Jahre alt war, siedelte ihre Familie nach Deutschland über und damit begann eine neue Phase in ihrem Leben. Sie war fasziniert von der so ganz anderen Gesellschaft und den damit verbundenen Freiheiten und Möglichkeiten. Besonders sprach sie das westliche Frauenbild an. Sie setzte ihr Studium fort und zog von zu Hause aus, was für eine unverheiratete Frau aus dem Orient eigentlich undenkbar ist. Doch das Erleben der großen Freiheiten zeigte ihr auch die damit verbundenen Herausforderungen. Es war nicht einfach, sich mit verschiedenen Jobs über Wasser zu halten. Der Vormarsch des »Islamischen Staates« in ihrer Heimat belastete sie sehr. Sie brauchte Menschen, mit denen sie über ihre Sehnsucht nach Frieden reden konnte.
Eine deutsche Bekannte kritisierte Muhammad, was Miriam wütend machte und sie sogar soweit brachte, dass sie Selbstmordattentäter verteidigte. In ihrem Studentenwohnheim lernte sie koreanische Christen kennen und besuchte acht Jahre lang deren Gottesdienste. Inhaltlich verstand sie wenig, da die dort besprochenen Themen nicht auf Menschen mit einem muslimischen Hintergrund ausgerichtet waren. In einer arabischen Bibel, die sie erhielt, fühlte sie sich ohne Anleitung verloren. Sie störte sich an der Sprache, las aber dennoch immer wieder darin. Zu der Zeit schaute sie christliche Fernsehsendungen mit ihren religiösen und religionsvergleichenden Debatten. Aber irgendwann hatte sie genug davon, weil hier immer ihr Glaube angegriffen und lächerlich gemacht wurde.
Miriam suchte Gott, wusste aber nicht, wo sie eigentlich suchen und zu wem sie beten sollte. Sie las viel und verfolgte viele Debatten. Irgendwann war sie so am Ende, dass sie zu Jesus schrie und um ein Zeichen bat. In dieser Nacht hatte sie einen Traum, in dem sie sich auf einem sinkenden Schiff befand, aber selbst nicht sank. Voller Schrecken und zugleich tief getröstet wachte sie auf. Sie betete und dankte Jesus, dass er sie gerettet hatte. Nach diesem dramatischen Erlebnis bekam sie eine Bibel in einer verständlicheren arabischen Übersetzung und begann, mehr und mehr vom christlichen Glauben zu verstehen. Über einen deutschen Pfarrer kam sie in Kontakt zu einer arabischen Gemeinde und wurde dort 2017 getauft.
2. Weg der veränderten Einstellung: Abdis Geschichte
Abdi wuchs in einer dörflichen Umgebung in Kenia auf, die stark vom Islam geprägt ist und wo Christen als verachtete Minderheit gelten. Als Kind und Jugendlicher hatte er deshalb keine klare Vorstellung über den christlichen Glauben. »Wir kannten nur die eine Seite der Medaille«, erklärt er zu seiner Situation damals. Nach Beendigung der Sekundarstufe zog Abdi nach Nairobi, da seine Schwester schon in der Hauptstadt lebte. Durch sie kam er in Kontakt mit ausländischen Christen. Abdi war gerne mit ihnen zusammen, beim gemeinsamen Fußballspiel, bei Mahlzeiten und den Gesprächen über religiöse Themen. Nach und nach realisierte Abdi, dass die Bibel wertvolle Wahrheiten enthält, und er begann, diesen zu vertrauen.
Abdi war als strenger Muslim erzogen worden. Er war nicht immer begeistert bei der Ausübung der religiösen Riten dabei, aber er mochte den Gemeinschaftsaspekt im Islam. Für seine eigenen Leute existierte der christliche Glauben nicht, sie sahen die Christen als verlorene Menschen an. Doch als Abdi solche Menschen in Nairobi kennenlernte, veränderte sich seine Einstellung gegenüber Christen dramatisch. Die Liebe, die er von ihnen erfuhr, überwältigte ihn. »Die Liebe, die diese Christen füreinander und sogar für Angehörige anderer Religionen haben, das ist es, was mein Interesse weckte.« Diese Liebe machte ihm deutlich, dass es da »eine andere Seite der Medaille« gibt. Etwa zwei Jahre lang war Abdi in Kontakt mit diesen Christen, beobachtete ihr Leben, lernte von ihnen viel über die Lehren der Bibel. Dann war er bereit, zu entscheiden, selbst Jesus Christus nachzufolgen.
3. Mystischer Weg: Vahids Geschichte
Vahid ist Elektroingenieur und kommt – wie auch seine Frau Elham – aus einer wohlhabenden Familie der Mittelschicht im Iran. Der Glaube an Gott spielte für ihn keine Rolle. Er hatte eher eine kritische Haltung gegenüber den islamischen Ansprüchen. Zweieinhalb Wochen nach seiner Hochzeit 2013 starb sein Vater. Daraufhin bekam Vahid Depressionen und Angst vor dem Tod, seine Lebensfreude schwand. Er geriet in eine tiefe Krise und hatte das Gefühl, in einem Sumpf zu versinken. Im Oktober 2016 besuchte eine iranische Freundin das Ehepaar, die in den USA lebt. Sie ist Christin. Vahid ging auf ihr Angebot ein, für ihn zu beten. Während des Gebetes erlebte Vahid eine plötzliche Erleichterung und empfand sich hinterher als geheilt.
Dieses tiefe emotionale Erlebnis führte zu einer kognitiven Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Das Ehepaar begann, gemeinsam die Bibel zu lesen und Informationen im Internet zu suchen. Bei einem Besuch in Frankreich nahmen sie zum ersten Mal in ihrem Leben an einem christlichen Gottesdienst teil. Nach ihrer Rückkehr in den Iran stießen sie im März 2017 auf eine Fernsehsendung des christlichen Senders Sat-7. Der Redner ermutigte am Ende der Sendung die Zuhörer, ihr Leben Jesus Christus anzuvertrauen und sich ihm im Glauben zuzuwenden. Das Ehepaar tat dies mit einem Gebet. Bei einem weiteren Besuch in Deutschland ließen sie sich im Juni 2017 in einer persischen Gemeinde taufen.
4. Der Lösung Suchende Weg: Julias Geschichte
Julia wuchs im Iran in einer liberalen, weltoffenen Familie auf.155 Ihr Vater las nur auf Wunsch seiner tiefgläubigen Mutter den Koran, nach ihrem Tod nicht mehr. Julias Eltern führten vor der islamischen Revolution eine glückliche und eher ungewöhnliche Ehe. Die Mutter war in Kleidung und Verhalten westlich geprägt. Julias Vater pendelte im Rahmen seiner Arbeit zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel hin und her. Dort hatte er amerikanische Arbeitskollegen, von denen einige Christen waren. Von ihnen lernte er viel über den christlichen Glauben und bezeichnete sich schließlich selbst als Christ, ohne aber je offiziell zum christlichen Glauben überzutreten und sich taufen zu lassen. Zu Hause erzählte er seiner Familie viel von dem, was er über den christlichen Glauben gelernt hatte. So wuchs Julia mit dem Leitbild ihrer freiheitsliebenden Mutter und ihrem freidenkerischen Vater auf und übernahm deren Haltung, auch ihre Liebe zum christlichen Glauben.
Nach ihrem Diplom ging Julia ebenfalls auf die Arabische Halbinsel zur Arbeit. Drei Jahre später heiratete sie aus einer Zwangssituation heraus. Ihr Vater hatte zu der Zeit Schulden und ein Bekannter aus dem Iran bot ihm ein hohes Brautgeld an, wenn Julia seinen Sohn heiraten würde. Julia stimmte ihrem Vater zuliebe der Ehe zu. Schon bald stellte sich heraus, dass ihr Mann gewalttätig war. Er begann, Julia zu schlagen. Seine Familie hatte im Blick auf die Rechte von Frauen eine sehr konservative und restriktive Einstellung und so wurde Julia gezwungen, sich zu verschleiern, selbst in Gegenwart ihrer Schwäger, obwohl das im Islam eigentlich unüblich ist. Ihr Mann wurde immer misstrauischer und schikanierte seine Frau zunehmend. Das Leben wurde für sie zur Hölle. Auch die mittlerweile geborenen Kinder wurden vom Vater für die geringsten Versäumnisse geschlagen. Gleichzeitig hatte ihr Mann Affären mit anderen Frauen.
Der religiöse Fanatismus ihres Mannes und seine Gewalttätigkeit verursachten in Julia einen Hass auf den Islam. Sie begann, im Internet nach christlichen Inhalten zu suchen. Besonders die Wunder Jesu faszinierten sie, seine Liebe zu seinen Feinden und seine Demut, wie er etwa seinen Jüngern die Füße wusch. Sie sehnte sich nach einer Alternative zu der Enge ihres Lebens, zu der Gewalt und der Heuchelei von Menschen, die sich fromm gaben, aber völlig anders verhielten. Nach und nach kam sie zu der Überzeugung, dass der christliche Glaube der richtige Weg für sie sei. Zweimal ging sie zum Familiengericht, doch dort erlebte sie nur Ablehnung. So reifte in Julia der Plan einer Flucht.
Die Möglichkeit dazu ergab sich durch einen Besuch bei ihrer Schwester, die in Deutschland lebte. Ihr Mann willigte nach längerem Bitten in eine Besuchsreise ein. In Deutschland angekommen nutzte Julia die Gelegenheit, mit ihren Kindern zur Polizei zu gehen und Asyl zu beantragen. Ihr Mann war außer sich, aber da Julia ihrer Schwester nichts gesagt hatte, konnte diese auch nicht helfen, Julia zu finden. Noch während ihres Aufenthaltes in der Landeserstaufnahmestelle in Heidelberg suchte Julia den Kontakt zu einer christlichen Gemeinde. Später ließ sie sich in einer arabischsprachigen Gemeinde in Stuttgart taufen.
Welche Wege kennst Du? Kennst Du noch andere Wege? Wie könnten solche Wege bei säkularen Deutschen aussehen? Schreibe doch mal verschiedene geistliche Wege auf und schicke sie mir über den Kontakt. Unter Training findest Du alle Infos, um Dich zu einer Schulung anzumelden
Auf meiner Entdeckerreise in die Welt der Mündlichkeit hat mich folgender Artikel aus dem Jahr 2002 sehr herausgefordert:
Südsudan. Kürzlich graduierten achtzehn Männer und Frauen mit einem Zertifikat vom Südwestlichen B.-Seminar ohne je ein Buch geöffnet zu haben oder eine einzige Arbeit geschrieben zu haben. Tief im Süden des Sudans unterrichtet eine Bibelschule einheimische Gemeindeleiter ohne den Gebrauch von Büchern, Computern und Stiften. Die einzigen Werkzeuge, die die Studenten brauchen sind Ohren, um zu hören, Augen um zu sehen und einen Mund zum erzählen. IMB-Missionare und Missionare lehren alles mündlich.
“Das höchste Niveau unter den Studenten ist Klasse fünf“, so Tom Ogalo, kenianischer Missionar. “Viele Menschen in diesem Gebiet können nicht lesen. Lesen ist auch nicht der Weg, wie sie Informationen sammeln. Ihre Geschichte wird von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. So macht es einfach Sinn, wenn wir anfangen theologische Ausbildung mündlich zu betreiben. Christen in einer Gesellschaft auszubilden, die nicht liest, bedeutet eine ernste Herausforderung für Missionare. Das Südwestliche B. Missionar in Fort Worth, Texas, arbeitet mit dem IMB zusammen, um Wege zu finden, mündliche Lernen mit biblischen Wahrheiten auszurüsten. Viele Missionare in der ganzen Welt benutzen das chronologische Bibelstudium, das von der Neuen Stämme Mission eingeführt wurde. Dieses Konzept lehrt, indem biblische Geschichten in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Jede Geschichte wird mehrmals wiederholt und jede Geschichte bezieht sich auf die nächste. Diese Methode wird für Evangelisation und Jüngerschaft verwendet.
“Als sich die gute Nachricht erfolgreich in mündlichen Kulturen durch diese Methode ausbreitete, waren die Missionare mit der Aufgabe und Herausforderung konfrontiert, wie diese neuen Gläubigen in den gegründeten Gemeinden zugerüstet werden sollen.” Sagte Grant Lovejoy, Professor im Seminar. “Wir fanden heraus, dass viele dieser mündlichen Lernenden nicht qualifiziert waren örtliche Seminare zu besuchen. Einige von ihnen konnten noch nicht einmal von theologischen Fernkursen aufgrund ihrer mündlichen Kultur profitieren.” So Lovejoy. “Der ganze Zugang ist so gestaltet Leute zuzurüsten, deren Wege zu lernen und zu kommunizieren mündlich sind. In der Ausbildung werden keine Vorlesungen, Mitschriebe, Fachbücher, Arbeitsbücher oder andere der normalerweise üblichen Lernaktivitäten westlicher Ausbildung verwendet. Lehrplan und Methodik des Unterrichtes wurden speziell für Menschen gestaltet, die in Kulturen leben und arbeiten werden, in den Lesen und Schreiben kaum praktiziert wird. Das Zertifikat vom Südwestlichen Baptisten Seminar hilft Glaubwürdigkeit und Standard für diejenigen zu bringen, die die mündliche Bibelschule abschließen. Ogalo und IMB Missionar Tom Reed lernten diese traditionellen Methode zu unterrichten von den Südsudanesen.
Nachdem sich die Klasse im Hof des größten Lehmhauses im Dorf versammelt hat, beginnt der Unterricht mit der Wiederholung der letzten Lektion. Sie sprechen über verschiedene Aspekte der Geschichte, ihrer Bedeutung und der Anwendung im Alltagsleben, bevor es zur nächsten Lektion weitergeht. Ogalo erzählt dann eine Geschichte aus den Paulusbriefen. „Diese Schule verlangt viel Auswendiglernen.” Erklärt Ogalo. “Wenn du die Geschichte falsch erzählst, dann werden es die Studenten falsch lernen und die werden es falsch ihren Gemeindegliedern erzählen.” Nach der Geschichte stellen Ogalo und Reed Fragen und beginnen eine Diskussion über Theologie und Gemeindeleitung. Reed leitet die Studenten an, Fragen durch den Reichtum der Geschichten, die sie schon gelernt haben zu beantworten. Jeder Student hat mehr wie 200 Bibelgeschichten gelernt. Für die Studenten gibt es jede Woche mündliche Tests und alle drei Monate ein umfassendes mündliches Examen. So lernen sie zu evangelisieren, Jüngerschaft, Gemeinden gründen und leiten, Seelsorge und ethische Fragen im Licht der Bibel anzugehen.
“Es geht alles über Wiederholung. Diese Menschen müssen jede einzelne Sache wiederholen, es ist nicht möglich für sie zu lesen oder ihr Gedächtnis aufzufrischen.“ erklärt Reed. “Deswegen haben wir viele kulturell angepasste Übungen. In jeder Lektion entwickeln die Studenten ein Drama und ein Lied, um die biblischen Wahrheiten zu illustrieren.” Studenten machen häufig vier oder fünf Lieder pro Geschichte. Leute aus entfernten Dörfern laufen zur Schule jeden Freitagabend, um die neuen Lieder der Woche zu lernen. Während sie bis zum frühen Morgen aufbleiben, singen sie dabei die neuen Lieder und gehen auch über alte Lieder.
Ogalo freut sich, als er hört, dass die Lieder gerade geübt werden und bemerkt, wie sehr sich das Dorf die letzten drei Jahre verändert hat: “Als wir zuerst kamen, kam niemand zu diesem Dorf oder lebte hier. Es gab kein Wasser. Jetzt ist ein Bohrloch hier und das ist der Versammlungsplatz für die Leute. Nicht nur wegen des Bohrloches, sondern wegen des Seminars. Gottes Wort verbreitet sich und Menschen nehmen die Geschichten als ihre an. Ein Student erzählt, dass, wenn er in sein Dorf zurückgeht und die Geschichten erzählt, die er im Seminar gelernt hat, die Reaktionen besser wie früher sind. „Sie erzählen mir, dass es das erste Mal ist, dass sie die Bibel verstanden haben und was es bedeutet Christ zu sein.“
Die meisten Studenten in dem Programm sind Pastoren in ihren Heimatdörfern. Die Vorgaben der Schule verlangen, dass sie neue Gemeinden pflanzen. Studenten erzählen die Geschichten und leiten Diskussionen, sie führen ein Drama auf und bringen neue Lieder und Tänze bei. Reed sagt, dass die Reaktion der Dorfbewohner erstaunlich sei. „Wir gehen so weit in den Busch, dass die Leute Blätter als Kleidung tragen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie die Leute auf die Predigten und Lieder der Studenten reagieren. Dieser mündliche Weg des Predigens ist ein Weg Menschen zu erreichen, die traditionell Buschleute auf dem afrikanischen Kontinent sind. “
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